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In deutschen Karosserie- und Lackierbetrieben zählt nicht nur der Glanzgrad, sondern vor allem ein stabiler Prozess. Bei 2K-Klarlack entstehen Orangenhaut, Trockennebel oder Läufer meist nicht durch einen einzigen Fehler, sondern durch das Zusammenspiel aus Luftversorgung, Materialviskosität, Düsenwahl, Pistolenabstand und Ablüftzeit. Vor jedem Lackiergang prüfe ich deshalb zuerst das technische Merkblatt des Lackherstellers, die Kabinentemperatur und die tatsächliche Druckluftleistung am Arbeitsplatz.
Die Druckanzeige am Kompressor reicht für eine saubere Einstellung nicht aus. Entscheidend ist der dynamische Druck direkt an der Pistole bei vollständig gezogener Abzugstaste. Vor dem Test werden Wasserabscheider und Feinfilter kontrolliert und die Leitung kurz entlüftet. Ein zu kleiner Schlauchdurchmesser oder verschmutzte Kupplungen verursachen Druckabfälle, die sich sofort in gröberer Zerstäubung zeigen. Die Hvlp spray gun Professional Automotive Tools sollte deshalb erst nach dieser Kontrolle auf Fächerbreite und Materialmenge eingestellt werden. Ein air spray gun mit instabiler Luftversorgung kann trotz korrekter Anzeige am Wandregler ein ungleichmäßiges Spritzbild erzeugen.
Für Klarlack ist bei vielen Systemen eine Düse im Bereich 1,3 bis 1,4 mm üblich, maßgeblich bleibt jedoch immer die Vorgabe des Herstellers. Ich öffne den Fächer zunächst weit und stelle den Materialdurchsatz so ein, dass das Testbild über die gesamte Breite gleichmäßig benetzt wird. Starke Materialkonzentration in der Mitte deutet auf eine falsche Einstellung oder verschmutzte Luftkappenbohrungen hin. Erst wenn das Spritzbild sauber ist, gehe ich an das Fahrzeug.
Der erste Gang soll geschlossen, aber nicht überladen sein. Die Pistole bleibt etwa 15 bis 18 cm vom Bauteil entfernt und wird möglichst im rechten Winkel geführt. Ich arbeite mit ungefähr 70 Prozent Überlappung und konstanter Geschwindigkeit. An Kanten, Sicken und Türgriffen reduziere ich die Verweilzeit, weil sich dort schnell zu viel Material sammelt. Wichtig ist, den Abzug bereits vor dem Eintritt in die sichtbare Fläche zu betätigen und erst nach dem Verlassen wieder zu lösen.
Zwischen den Gängen wird nicht nach Gefühl, sondern nach technischem Datenblatt und Oberflächenzustand gearbeitet. Der zweite Gang darf voller sein, muss aber weiterhin kontrolliert bleiben. Beginnt die Oberfläche hinter der Pistole sofort stark zu verlaufen, sind Materialmenge, Geschwindigkeit oder Abstand zu aggressiv gewählt. Bei trockener, körniger Struktur prüfe ich dagegen zuerst Zerstäubungsdruck, Abstand und Kabinentemperatur.
Bei Orangenhaut kontrolliere ich in dieser Reihenfolge: Materialviskosität, dynamischen Druck, Abstand und Bewegungsgeschwindigkeit. Bei Läufern prüfe ich Materialmenge, Überlappung und die Belastung an Kanten. Nach jedem Auftrag notiere ich Düse, Druck, Materialeinstellung, Temperatur und Ablüftzeit. Diese fünf Werte reichen in vielen Werkstätten bereits aus, um Einstellungen reproduzierbar zu machen und unnötige Polier- oder Nachlackierarbeiten deutlich zu reduzieren.
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